Uraufführung von "Alles Zufall, oder?" in der EKG Burgstädt (12.12.2010)

Ein verlassen wirkender Raum, zusammengestellte Tische und Stühle, vergilbte Poster an der Wand, abgedeckte Instrumente – schon das Bühnenbild ließ erahnen, dass im ADORA-Weihnachtsprogramm 2010 einiges anders ablaufen würde, als gewohnt. Zwar haben wir schon mehrfach unsere Experimentierfreude und Wandlungsfähigkeit unter Beweis gestellt, aber gerade zum Jahreswechsel waren zuletzt doch eher "klassische" Projekte zur Aufführung gebracht worden. Die letzte größere Ausnahme hatte im Jahr 2004 das von Wolfgang Tost und Katrin Paul verfasste Musical "Ankunft" dargestellt. Und an eben jenes Stück knüpfte die diesjährige Produktion an: stilistisch und inszenatorisch ebenfalls eher in der Musical-Richtung angesiedelt, stieß "Alles Zufall, oder?" von Umfang und Aufwand her schon fast in "Jedermann"-Dimensionen vor.

Verantwortlich für Text und Musik waren Heike Weise – die bereits Regisseurin der Inszenierungen von "Ankunft" und "Jedermann" gewesen war –, und ihr Mann Stefan, der erstmals im Alleingang ein komplettes Stück komponierte. Kammerspielartig fand die gesamte Handlung in einem einzigen Raum statt, einer verlassenden Musikkneipe. Der ehemalige Besitzer, ein Weltenbummler, kehrt nach dem Tod seines Vaters in die alte Heimat zurück. Aufgrund eines winterlichen Unwetters am Heiligen Abend stranden die unterschiedlichsten Menschen bei ihm: ein Ehepaar auf dem Weg zur Feier bei der Schwiegertochter, eine Musikgruppe unterwegs zur Weihnachtsgala, eine überlastete Verkäuferin, eine junge schwangere Frau und ihr Freund sowie viele andere. Sie alle haben ihre Sorgen und Fragen, ihren Ängste und Zweifel. Und doch können sie sich gegenseitig unterstützen, sich neue Kräfte geben. Und gemeinsam erkennen, dass ihre Begegnung wohl nicht unbedingt zufällig war...

Die Premiere feierte das Programm nach einer intensiven Probenzeit traditionsgemäß am 2. Advent in der Evang.-Kirchl. Gemeinschaft Burgstädt. Das Besetzungskarussell hatte sich, wie mittlerweile zur Weihnachtszeit bei uns üblich, wieder kräftig gedreht: von der aktuellen "Jedermann"-Truppe waren Nele, Karla, Martin, Tobias G. und Michi nicht mit dabei. Verstärkung gab es demgegenüber durch Lutz (der bereits im letzten Jahr bei "Für alle Zeit..." mit dabei gewesen war), Florian (Mitglied des Musikteams der EKG) sowie die "Kinderfraktion" mit Annegret, Astrid, Hanna, Janina und Jonathan – einer der Vorteile der zahlreichen "Familienbande" in unserem Lineup. Die ca. 75 Zuschauer erlebten in 75 Minuten eine intensive, abwechslungsreiche Aufführung mit vielen bewegenden Momenten. Den Höhepunkt einer gelungenen Premiere bildete das Abschlusslied ins Stück integrierte, gemeinsam gesungene "O du fröhliche". Heimlicher Star war die Schneemaschine, die bei jedem Neuankömmling in der Kneipe für starke Verwehungen sorgte, bis die (imaginäre) Tür wieder geschlossen wurde. Gerade durch solche Details wurden eine dichte Athmosphäre kreiert und die Zuschauer mithineingenommen in eine nicht ganz (oder gerade doch?) alltägliche Geschichte am Heiligen Abend.

Martin



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