


Überblick
- Texte nach: Jochen Klepper
- Musik: Martin Munke
- Aufführungszeitraum: Dezember 2013 bis Januar 2014
- Uraufführung: 8. Dezember 2013 in Topfseifersdorf
- Anzahl der Aufführungen: sieben
Informationen zum Stück
Die Sammlung "Kyrie", 1938 erstmals veröffentlicht, gehört zu den eindrücklichsten
Zeugnissen des Dichters Jochen Klepper (1903–1942). In ihr spiegeln sich Hoffnung und Gottvertrauen, aber auch Leid und Verzweiflung
angesichts der zunehmenden Repressionen durch die NS-Diktatur. Aufgrund der drohenden Deportation von Ehefrau und Tochter scheidet die Familie
1942 gemeinsam von eigener Hand aus dem Leben.
Die geistlichen Lieder aus "Kyrie" wurden durch verschiedene Komponisten in Töne gesetzt und haben in unterschiedlichen Fassungen Eingang
in das evangelische Gesangbuch gefunden. Ein Teil der Sammlung ist explizit der Advents- und Weihnachtszeit gewidmet. Eine Auswahl der
entsprechenden Stücke, ergänzt um Passagen aus den von Kleppers Schwester Hildegard postum herausgegebenen Tagebuchbänden "Unter dem Schatten deiner Flügel" (1956)
und "Überwindung" (1958) sowie der Gedichtsammlung "Ziel der Zeit" (1962),
werden von Band & Chor ADORA zu Weihnachten 2013 in neuen Vertonungen zu Gehör gebracht.
Band-Besetzung:
- Florian Hößler: Bass
- Andreas Munke: Gitarre
- Martin Munke: Klavier
Livemitschnitte auf YouTube
Lieder
1a. Kyrie
(Text: liturgisch, Melodie und Satz: Jacques Berthier)
1b. Du bist als Stern uns aufgegangen
2. Die Nacht ist vorgedrungen
3. Wer warst du, Herr
4. Kyrie
5. Sieh nicht an, was du selber bist
6. Nun ruht doch alle Welt
7a. In jeder Nacht, die mich bedroht
7b. Kyrie
(Text: liturgisch, Melodie und Satz: Jacques Berthier)
Bericht von der Uraufführung in der Kirche Topfseifersdorf (8. Dezember 2013)
Nachdem "Gotteskind" aus der Feder von Andreas im vergangenen Jahr unser Schaffen
einmal mehr um eine neue Facette bereichert hatte, geht es mit dem Weihnachtsprogramm 2013 eher wieder ein Stück "zurück zu den Wurzeln". Traditioneller
mehrstimmiger Chorgesang mit eher zurückhaltender Instrumentierung steht musikalisch im Mittelpunkt von "Kyrie",
was natürlich auch heißt, dass der Chor nach einer kleinen Pause 2012 diesmal wieder in voller Besetzung mit dabei ist. Gleichwohl bot auch dieses Stück bei
der Vorbereitung etwas Neues, stellte doch nach den vorherigen Bearbeitungen anderen Liedguts ("Ich steh an deiner Krippen hier" 2007,
"Begegnungen" 2008 und "Sanctus" 2011)
Martin zum ersten Mal durchweg Eigenkompositionen vor – zumindest im musikalischen Bereich. Für die Texte nämlich wurde auf Gedichte und Tagebucheinträge
von Jochen Klepper (1903–1942) zurückgegriffen. Gerade in der 1938 veröffentlichten
Sammlung "Kyrie" spiegeln sich Hoffnung und Gottvertrauen, aber auch Leid und Verzweiflung angesichts der zunehmenden Repressionen durch die NS-Diktatur.
Aufgrund der drohenden Deportation von Ehefrau und Tochter schied die Familie 1942 gemeinsam von eigener Hand aus dem Leben. Die Sammlung gab dem Weihnachtsprogramm den
Titel und zeigte zudem die Richtung auf, in sich das Stück stimmungstechnisch entwickeln würde. Denn auch die Advents- und Weihnachtsgedichte aus "Kyrie" sind
von dieser Spannung geprägt, in der sich aber letztlich das Vertrauen auf den kommenden Erlöser durchsetzt.
In den vergangenen Jahren hatte am 2. Advent mehrfach die Kirche im benachbarten Hartmannsdorf Zeit und
Ort für die Uraufführung zur Verfügung gestellt. 2013 reisten wir dazu erstmals nach Topfseifersdorf. Auch dort
waren wir aber keine völlig Unbekannten – in den Schwestergemeinden Seelitz ("Jedermann" im August 2009) und
Frankenau (AchtungLiebe!-Gottesdienst im April 2010 und im November 2008)
hatten wir bereits in der Vergangenheit Auftritte absolviert. Und auch diesmal bildete die Gottesdienstreihe mit dem großen roten Herz im Symbol für den äußeren Rahmen.
Ein Interview im Vorfeld der musikalischen Darbietung und ein Gedankenimpuls von Pfr. Gilbert Peikert im Nachgang stellten die Hintergründe der Lebens- und Leidensgeschichte
von Klepper kurz vor. Viele der Gottesdienstbesucher in der vollbesetzen Kirche wurde durch die Lieder und Lesungen zum Nachdenken angeregt, wie sich bei so manchen
Gesprächen im Anschluss an den Gottesdienst und beim gemeinsamen Mittagessen zeigte. Mit dem bloßen Zuhören ist es bei diesem Stück also nicht getan – sicher
eine Herausforderung, aber vielleicht gerade in der Weihnachtszeit eine, die es anzunehmen lohnt.
Martin