Überblick

  • Musik und Texte: Andreas und Martin Munke
  • Aufführungszeitraum: ab Juni 2023
  • Uraufführung: 10. Juni 2023 in Burgstädt
  • Anzahl der Aufführungen: sechs (Stand: Mai 2024)

Informationen zum Stück

Sachsen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Christen des Landes liegen im Streit. Die Rationalisten unter Oberhofprediger Christoph Friedrich von Ammon verstehen das Christentum als eine Vernunftreligion, die zwar göttlich offenbart, aber stark vom menschlichen Verstand geprägt ist. Der Dresdner Pfarrer Martin Stephan führt eine Erweckungsbewegung, die sich gegen solche liberalen Tendenzen wendet. Ihren räumlichen Schwerpunkt hat sie im ländlichen Mittelsachsen, in den Dörfern und Kleinstädten nordwestlich von Chemnitz. Als sich der Konflikt zuspitzt und die Zusammenkünfte der Anhänger Stephans verboten werden, fällt die Entscheidung zur Auswanderung in ein neues Land: nach Amerika.

Mit ihrem Musical "Neues Land" bringen Band & Chor Adora ein fast vergessenes Kapitel regionaler Geschichte auf die Bühne: das Schicksal der sogenannten Stephanianer und ihren Versuch, jenseits des Atlantiks ein neues Leben und eine neue Kirche aufzubauen, eine Kirche, die in der Lutherischen Kirche – Missouri-Synode bis heute existiert. Eine Geschichte über Fragen des richtigen Glaubens, über Gottes Handeln in unserem Leben, aber auch über falsche Propheten und enttäuschte Hoffnungen. Eine Geschichte, die mitnimmt in eine Vergangenheit, die unserer Gegenwart gar nicht so unähnlich ist.


Band-Besetzung:

  • Kerstin Arnold: Schlagzeug
  • Mirko Gräser: Bass
  • Andreas Munke: Gitarre
  • Martin Munke: Klavier
  • Holger Weise: Keyboard
  • Stefan Weise: Gitarre

Liedtexte

1. Am Anfang war das Wort
(Text, Melodie und Satz: Andreas Munke)

Am Anfang war das Wort, doch ist das Wort noch heut?
So wie es einmal war am Anbeginn der Zeit.

Doch bleibt es ewig stehn, wie Gottes Geist es spricht?
Hat es sich mit der Zeit mit Menschenwort vermischt?

Am Anfang war das Wort, muss man es neu verstehn?
Um es in unsrer Zeit in neuem Licht zu sehn?

Weist der Glaube die Richtung oder ist es der Verstand?
Sag wer zeigt uns den Weg, ins verheiß'ne Land?
Weist der Glaube die Richtung oder ist es der Verstand?
Sag wer zeigt uns den Weg, ins verheiß'ne Land?



2. Ein feste Burg
(Text: Martin Luther [1521]; Melodie: Martin Luther [1521], Martin Munke; Satz: Jochen Rieger [2014], Martin Munke)

Ein feste Burg ist Gott, ein feste Burg ist unser Gott.

Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.
Der alt böse Feind mit Ernst er's jetzt meint,
groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren.
Es streit’ für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott,
das Feld muss er behalten.

Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt, wie sau'r er sich stellt,
tut er uns doch nicht; das macht, er ist gericht’:
ein Wörtlein kann ihn fällen.

Ein feste Burg ist unser Gott, ein feste Burg ist unser Gott
Ein feste Burg ist unser Gott, ein feste Burg ist unser Gott

Das Wort sie sollen lassen stahn und kein' Dank dazu haben.
Er ist bei uns wohl auf dem Plan mit seinem Geist und Gaben.
Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib:
lass fahren dahin, sie haben's kein' Gewinn.
Das Reich muss uns doch bleiben. Das Reich muss uns doch bleiben.


3. Fundamentalisten
(Text und Melodie: Andreas Munke)

Sie treffen sich in ihren innern Kreisen. Sie treffen sich bevorzugt in der Nacht.
Und haben dabei unsern alten Luther zu ihrem neuen Götzen gemacht.
Sie leben nach dem kleinen Katechismus und glauben an die Bibel Wort für Wort.
Sie lehnen alles ab, was für sie neu ist und träumen sich an einen andern Ort.

Diese Fundamentalisten, ewig gestrig fromme Christen.
Diese Fortschrittsignoranten, die erweckten selbsternannten
Hüter alter Traditionen, die sich heute nicht mehr lohnen
und sie trotzen unverzagt, dem, was die Vernunft uns sagt.


Am liebsten möchten sie der Welt entfliehen und ziehen sich zurück ins Schneckenhaus.
Und pflegen darin ihre Traditionen und kommen nie im Leben wieder raus.
Und die Vernunft ist für sie stets vom Übel. Der Glaube, der steht über dem Verstand.
Und statt ihr Leben selber zu gestalten vertrauen sie allein auf Gottes Hand.


4. Da geht ein Riss durch's Land
(Text, Melodie und Satz: Andreas Munke)

Sie sitzen da und schweigen, der Dialog steckt fest
weil jedes Wort das Fass jetzt überlaufen lässt.
Sie haben es versucht. Doch es hat nichts gebracht.
Und jeder neue Anlauf hat die Kluft noch tiefer gemacht.

Da geht ein Riss durchs Land, der ist deutlich zu sehn.
Da geht ein Riss durchs Land, man will sich nicht mehr verstehn.
Keine Brücke mehr, um drüber zu gehn.
Da geht ein Riss durchs Land.


Sie steh'n sich gegenüber und schrei'n sich nur noch an.
Weil die gefühlte Wahrheit nichts akzeptieren kann.
Verbittert, unversöhnlich und stetig wächst die Wut.
Ein Tropfen war's am Anfang, jetzt ist es eine Flut.

Man sieht sie aufmarschieren, das Wort es wird zur Tat.
Plakate, drauf ein Galgen, der Hass steht schon parat.
All die diffusen Ängste, schon denkt man nicht mehr nach
Und setzt dem eignen Nachbarn den roten Hahn aufs Dach.


5. Wachstum
(Text, Melodie und Satz: Andreas Munke)

Erst war es ein einzelnes Korn, das auf guten Boden fiel.
Es keimte und bald ging es auf. Schon sah man ein Blatt am Stiel.
Es wuchs eine Pflanze und blühte auf, mit neuen Körnern daran.
Den Vögeln die Speise, den Menschen das Brot, so war es Gottes Plan.
Den Vögeln die Speise, den Menschen das Brot, so war es Gottes Plan.

Erst war es ein einzelnes Wort, in ein Menschenherz gelegt.
Das Wort wurde stark wurde groß, verändert und bewegt.
Ein neues Leben ein neuer Geist, ein neuer Weg und ein Ziel.
Vergebung und Freude und Ewigkeit, ein Leben wie Gott es will.
Vergebung und Freude und Ewigkeit, ein Leben wie Gott es will.

Erst waren es zwei oder drei, doch bald eine große Schar.
Wo Gott wirkt wird alles gedeihn, wird Neues aus dem was war.
All unser Bemühen all unser Tun, am Ende fruchtet es nicht.
Denn nur wo der Herr seinen Segen gibt, da wird aus Dunkel Licht.
Denn nur wo der Herr seinen Segen gibt, da wird aus Dunkel Licht.


6. Gehen oder bleiben
(Text, Melodie und Satz: Andreas Munke)

Die Last ist schwer, die Trübsal groß.
Der Sturm der Feinde bricht schon los.
Wie lange können wir noch widerstehn.
Schon schließt sich eng um uns der Kreis.
Was wird aus uns, was ist der Preis.
Kein Ausweg und kein Ziel, weithin zu sehn.

Soll'n wir gehen oder bleiben?
Wo führt unser Weg uns hin?
Soll'n wir knien oder streiten?
Soll'n wir kämpfen oder flieh'n?
Soll'n wir kämpfen oder flieh'n?


Schon zwingen sie uns auf die Knie.
Von den Altären hetzen sie.
Und ihrer Lügen Frucht breitet sich aus.
Sie zerren uns vor ihr Gericht.
Sie glauben Gottes Worten nicht.
Und ihre Taten sind dem Herrn ein Graus.


7. Das Gerücht
(Text, Melodie und Satz: Martin Munke)

Weißt du schon das Neuste?
 Nein sag, was ist los, was ist passiert?
Na, dann wirst du gleich von mir was hör'n.
Du kennst doch den …
 Na klar, den kennt doch jeder und was ist mit ihm?
Pass auf, doch du musst mir was schwör’n:
Die Geschichte bleibt unter uns.
 Versprochen, ich schweig wie ein Grab!
Niemand darf erfahr'n, was ich dir erzähl'.
 Nun komm schon, ich hab nicht den ganzen Tag!

So fängt es an, dann geht's ganz schnell.
Vom Einen zum Andern, brandaktuell.
Dann weiß es der nächste, bald noch einer mehr.
Auch der gibt es weiter, es geht hin und her.

Egal was du sagst, egal was du tust.
Was du auch planst und was du versuchst.
Ist's mal in der Welt, dann bleibt es auch dort.
Man hört's überall, es geht nicht fort.
Es ist nur ein Bild, oder ein Satz.
Ganz klein ist es nur, und doch voller Kraft.
Was du auch entgegnest, man glaubt dir nicht.
Stets weiter lebt das Gerücht!


 Also sag, was ist denn nun?
Ach ja, da war doch was, hör hin und zwar
der … hat das und das getan.
 Das ist ja ein starkes Stück, das gibt’s doch gar nicht,
 bist du wirklich sicher?
Aber so was von, na klar!
 Das hätte ich niemals gedacht!
Ich ja auch nicht, doch ich hab’s von dem und der.
  Hallo, worüber redet ihr denn euch die Köpfe heiß?
Weißt du schon das Neuste, komm mal her!

Und weiter geht's, es läuft hin und her.
Bis alle es wissen, das ist nicht schwer.
Es breitet sich aus, von Ort zu Ort.
Ist unaufhaltsam, das eine Wort.


8. Wertvoll
(Text, Melodie und Satz: Andreas Munke)

Nun stehst du am Rand und fühlst dich so schlecht.
Du wirst der Erwartung erneut nicht gerecht.
Du hast es versucht, es hat nicht gereicht.
Dir fällt es so schwer, den Ander'n so leicht.

Und das was du hast, das zählt hier nicht viel.
Du ziehst nur die Nieten, bist raus aus dem Spiel.
Du kriegst nur den Cent, die Andern den Schein.
Wo Andere groß sind, da bist du ganz klein.

Denn wer etwas kann, der sonnt sich im Licht.
Du stehst nur im Schatten, dort sieht man dich nicht.
Du hast nichts zu bieten, dass lässt man dich spür'n.
Wo du bist ist hinten, die Anderen führ'n.

Doch deine Erfolge hat Gott nicht vermisst.
Er liebt dich von Herzen, genau wie du bist.
Und ist's hier zu wenig, verfehlst du das Ziel.
Für Gott du du wertvoll, für Gott zählst du viel.



9. Folge mir nach
(Text, Melodie und Satz: Andreas Munke)

Ein Haus, ein Hof, ein Garten, ein kleines Ackerstück,
der Lohn der Hände Arbeit, ein ganzes kleines Glück.
Nicht viel, doch gut zu leben, und sich daran zu freu'n
im Gleichklang aller Tage, so sollt's für immer sein.

Doch Jesus spricht, folge mir nach. Verkaufe alles , was du hast.
Denn alles was auf Erden zählt, fürs Himmelreich ists' eine Last.


Herr, was du von mir forderst, ich geb es ungern hin.
Weil ich auf dieser Erde so tief verwurzelt bin.
Gebaut auf dein Versprechen, auf Glaube, nicht Verstand.
Will ich ich den Weg nun gehen an deiner starken Hand.

Denn Jesus spricht…

Die Vögel unterm Himmel, die horten nicht ihr Brot.
Denn du wirst für sie sorgen, du großer Herr und Gott.
So will auch ich es nehmen, wie du es mir versprichst.
So komme, was da wolle, ich weiß mir mangelt nichts.


10. Neues Land
(Text: Exulantenlieder auf dem Meere [1838], Martin Munke; Melodie und Satz: Martin Munke)

Neues Land liegt vor uns,
in neues Land führt er uns.
An uns'rer Seite geht der Herr,
zieht mit uns in neues Land.

Lobt Gott, die Rettungsstunde der Kirche Christi naht.
Lobt ihn mit Herz und Munde, der groß von Rat und Tat.
Erhört ist unser Schrein, Gott will sein Volk befrei'n.
Drum ruft: Victoria, die Hand des Herrn ist nah!

Der große Hirt der Herde, nimmt selbst sich unser an.
Held Gideon mit dem Schwerte, bricht durch die Feinde Bahn.
Ein weiser Knecht des Herrn, führt uns, ein heller Stern.
Er geht nach Kanaan, als Moses uns voran.

Neues Land, über's Meer, durch Well'n und Wind.
Und der Herr zieht selbst mit uns.
Schaut nach vorn, setzt die Segel, Leinen los!
In neues Land führt er uns.


Fern von des Meers Gestade ruft eine große Schar:
"Bringt uns das Wort der Gnade, baut hier des Herrn Altar!
Gebt Flügel eurem Lauf, baut hier ein Zion auf.
Hier weile euer Fuß mit Jesu Friedensgruß!"

Gott hat den Ruf vernommen, preist ihn und freuet euch.
Er heißt uns zu euch kommen, an edlen Schätzen reich.
Fahr' hin, Geld, Ehr' und Gut, will's Gott, auch unser Blut!
Nur diese Schätz' allein hilf Gott erhalten rein.

Lobt Gott, die Wimpel wehen, mit Christi Siegesfahn'.
Er will zur Seite gehen auch auf des Meeres Bahn.
Ihm dient der Engel Heer, gehorchet Sturm und Meer.
Drum ruft: Victoria, die Hand des Herrn ist da!
Drum ruft: Victoria, die Hand des Herrn ist da!


11. Bischof
(Text und Melodie: Andreas Munke)

Nun steh ich hier und bin am Ziel und ich habe den Gipfel erklommen.
Ein steiler Pfad, voll Kampf und Müh'. Was ich wollte, das hab ich bekommen.
Wie Moses gehe ich voran. Der als Gottes neuer Prophet
aus Deutsch-Ägypten führen kann, der an der Spitze durch das Schilfmeer geht.

Ein langer Weg war's bis hierher. Voller Leiden und voller Entbehren.
Unzählig war der Feinde Schar und sie wollten das Ziel mir verwehren.
Doch alle Macht ist nur bei Gott. Er hat mich auserwählt.
Sein Volk zu führen aus der Not, hin in die neue, uns verheiß'ne Welt.

So mancher zweifelt, so mancher klagt.
So mancher will den Weg nicht sehn.
Doch wer sich umschaut, der bleibt zurück.
Und wer mir folgt, der bleibt bestehn.



12. Denn Wahrheit ist allein bei Gott
(Text, Melodie und Satz: Andreas Munke)

Da waren Schwüre, da war'n Versprechen, da waren Pläne wunderbar.
Im Handumdrehn wird man die Schwüre brechen und die Versprechen sind nicht wahr.
Da waren Träume, da war'n Visionen, doch allesamt auf Sand gebaut.
Investitionen, die sich nicht lohnen, wenn man auf Menschenwort vertraut.

Denn Wahrheit ist allein bei Gott, soweit der Himmel und die Erde reicht.
Der Herr macht dir ein Angebot, vertraue ihm und du wirst nicht enttäuscht.


Da war Vertrauen und da war Hoffen, da war im Tunnel Licht zu seh'n.
Die Hoffnung schwand, man bleibt betroffen vor einem Scherbenhaufen steh'n.
War eine Zukunft und Perspektiven, ein neuer Weg ein großes Ziel.
Doch als die Dinge aus dem Ruder liefen, da blieb vom großen Ziel nicht viel.

All unser Planen, all unser Sorgen, es gilt doch nur dem Augenblick.
Wir seh'n von Gottes guten Wegen doch immer nur ein kurzes Stück.


13. Wer sich selbst erhöht
(Text, Melodie und Satz: Andreas Munke)

Einst stand er da und sonnte sich im Glanz von Reichtum, Macht und Ruhm,
von Achtung und Bewunderung, und stets gesegnet schien sein Tun.
Was er begann, er brachte es zu einem guten Ziel.
Zeitlebens war er stets ganz vorn, dabei im großen Spiel.

Doch mit der Zeit berauschte er, sich mehr und mehr an seiner Macht.
Er wurde taub für guten Rat, das hat ihn ab vom Weg gebracht.
Das Maß der Dinge war er selbst und niemand stand ihm gleich.
Schon wandten sich die Freunde ab und schon zerfiel sein Reich.

Wer sich selbst erhöht, der wird tief fallen.
Wer sich erniedrigt, den erhöht der Herr.
Wer den Platz am Kopf der Tafel einnimmt
wird ihn verlieren und ihm bleibt nichts mehr.


Nun steht er da und ist allein, was ihm gehörte zählt nicht mehr.
Verachtet, ausgestoßen gar, sein ganzes Werk ein Scherbenmeer.
Was blieb von seiner großen Tat, Verbitterung und Streit.
Das große Ziel es schien so nah, jetzt ist's unendlich weit.


14. Gott führt zum Ziel
(Text, Melodie und Satz: Andreas Munke)

Wir sind hinausgezogen, die Kirche neu zu bau'n.
Gegründet auf den Glauben, auf Hoffnung und Vertrau'n.
Gegründet auf den Glauben, auf Hoffnung und Vertrau'n.
Wir floh'n aus der Bedrängnis, aus unser'm Heimatland.
Auf uns'rer Fahrt bewahrte uns Gottes starke Hand.
Auf uns'rer Fahrt bewahrte uns Gottes starke Hand.

Denn seine Liebe ist unendlich groß.
Er hält und stützt den, der da fällt.
Nichts ist unmöglich für den Herrn der Herrn.
Der Erde und Himmel in seinen Händen hält.


Wir waren voller Kleinmut, voll Angst und voller Not.
Aus unserer Verzweiflung, errettete uns Gott.
Aus unserer Verzweiflung, errettete uns Gott.
Es scheiterten die Pläne, von Menschengeist erdacht.
Doch Gott hat uns am Ende, bis hin ans Ziel gebracht.
Doch Gott hat uns am Ende, bis hin ans Ziel gebracht.

Kein Berg zu hoch kein Meer zu tief,
wir fallen stets in Gottes Hand.
Sind wir auch lang schon unterwegs,
Gott führt uns ins verheißne Land.


Bericht von der Uraufführung in Burgstädt (10. Juni 2023)

Das Jahr 1973 sah nicht nur die Gründung von so illustren Musikformationen wie AC/DC, Bad Company, Journey, KISS oder Lift, um im regionaleren Rahmen zu bleiben. Auch die damals noch namenlose sog. Burgstädter Kirchenband – später als Gospellight bzw. seit 2003 als Adora unterwegs – unternahm ihre ersten Gehversuche, die bis heute 135 Mitwirkende zu mehr als 500 Konzerten an über 50 verschiedenen Orten geführt haben. Und wie könnte man einen runden Geburtstag, den wir entsprechend 2023 haben dürfen, besser feiern, als mit der Premiere eines neuen Programmes? Schon vor zwanzig Jahren hatten wir unseren 30. mit den ersten beiden Aufführungen von "Menschenfischer" begangen – damals die ersten Konzerte unter dem Namen Adora –, und vor zehn Jahren zum 40. die Neubearbeitung von "Verloren? Gefunden!" in der Burgstädter Stadtkirche uraufgeführt.

Zum 50. knüpften wir an eben diesem Ort an die vorherigen Jubiläen an. Mit "Neues Land" wagten wir uns zum zweiten Mal nach "Jedermann" für eines unserer Musicals an einen nicht-biblischen Stoff. Andreas und Martin hatten ein fast vergessenes Kapitel regionaler Geschichte für die Bühne bearbeitet: das Schicksal der sogenannten Stephanianer, einer Erweckungsbewegung im Sachsen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, und ihre Auswanderung in die USA – eine Geschichte, die die Burgstädter Schriftstellerin Ingerose Paust im Jahr vor der Gründung von Adora in ihrem Roman "Der Auszug der 800" thematisiert hatte, stammten doch viele der Auswandererfamilien aus unserem Heimatort und der näheren Umgebung. Die Vorlage für uns bildete aber nicht die literarische Bearbeitung von Paust, sondern die eigene Sichtung der historischen Quellen wie den Schiffslisten der amerikanischen Einwanderungsbehörde, aus denen die Namen der handelnden Personen stammten, oder das Exulantenliederbuch von Pfarrer Otto Hermann Walter, aus dem ein Text die Vorlage für das Titellied des Musicals lieferte.

Die ambivalente Hauptrolle des Pfarrers Martin Stephan, dem Spiritus rector der Bewegung, übernahm Lutz, der damit nach mehreren Gastspielen in der Weihnachtszeit erstmals regulär mit in eines unserer Großprojekte eingebunden ist. Nach ihrem Debüt bei "Gloria" sind Elisabeth und Olesija auch bei "Neues Land" mit dabei, und mit Heike W. im Chor und ihrem Mann Stefan an der Gitarre konnten wir uns über zwei Comebacks freuen, sind also in etwas größerer Besetzung unterwegs als zuletzt. Eine Novum bildete zudem, zumindest bei einigen Liedern und Spielszenen, die Beteiligung von Emma und Paula M., so dass erstmals in der Band- und Chor-Geschichte die Angehörigen von drei Generationen einer Familie gemeinsam auf der Bühne standen. Strukturell greift auch "Neues Land" so die bewährte Formel von "Jedermann" und "Verloren? Gefunden" mit ihrem Mix aus Liedern in der für uns üblichen stilistischen Bandbreite, Schauspielszenen und instrumentalen Zwischenstücken auf. Die Hintergrunddekoration stammt in bewährter Art und Weise ebenfalls wieder von Ute.

Mit Probenbeginn Ende April 2022, unterbrochen von der Weihnachtssaison, war die Vorbereitungszeit insgesamt recht knapp, die Wochen vor dem Jubiläumskonzert am 10. Juni 2023 so sehr intensiv und die Aufregung umso größer gewesen. Umso glücklicher waren wir, dass die Aufführung vor etwa 140 Zuschauern reibungslos über die Bühne ging – lang anhaltender Applaus, Standing Ovations und viele Gespräche und Rückmeldungen im Nachgang waren Zeichen dafür, dass das Programm gerade mit seinen zahlreichen aktuellen Bezügen einen Nerv getroffen hat. Das "Oh happy Day" als Zugabe haben wir wohl noch nie so gelöst gesungen wie an diesem Tag...

Martin

PS: Eine ausführliche Rezension zum Konzert gibt es in der Juli-Ausgabe 2023 des Onlinemagazins "Musik an sich".

PPS: Historische Quellen und Literatur zu den Hintergründen der Auswanderung der sächsischen Altlutheraner unter Martin Stephan sind in der Sächsischen Bibliografie verzeichnet.